Auf der Zielgerade ihrer Schulzeit besucht die Jahrgangsstufe 2 Weimar (07/17)

Längst ist es zu einer guten Gewohnheit am SG geworden, der Jahrgangsstufe 2 noch einmal ein letztes gemeinsames Erleben, eine letzte gemeinsame Studienfahrt anzubieten, kurz bevor die Noten verkündet, die mündlichen Prüfungen abgenommen, ABI-Scherz und ABI-Ball gefeiert werden, die Zeit sich auf erstaunliche Weise beschleunigt und dann mit einem Mal die Klassenzimmer der Abgangsklassen merkwürdig leer und vereinsamt am Ende des unteren Ganges liegen. Wie immer führte die Exkursion zu einem speziellen Freund des Deutsch-Lehrers Herrn Bäuerle. Zum ersten Mal in Begleitung der Schulleiterin Anja Biller.

Weimar ist nicht denkbar ohne Goethe – so wie Goethe nicht denkbar ist ohne Weimar. Höchst zitable Bemerkungen über die thüringische Kleinstadt existieren zuhauf. Der russische Reisende Roshalin nennt Weimar „die originellste von allen deutschen Städten“, die bekannte französische Dichterin Madame de Stael urteilt über Weimar, „es war gar keine Stadt, sondern vielmehr ein großes Schloss.“ Die Weimarer Bürger selbst waren geradliniger, auch: kritischer. „Eine wahre Seelenessigfabrik“, raunzte Goethes Ur-Freund Knebel. Und der Kammerrat Seckendorf meinte, „dass dies Weimar wie ein Nest aussieht und eine Hauptstadt spielen will.“ Heute ist Weimar der Ort, um die klassische deutsche Literatur – und die Epoche der deutschen Klassik – hautnah zu erleben. Im Mittelpunkt jeder Weimar-Reise steht die Begegnung mit Goethe: In jenem Gartenhaus an der Ilm, in dem er als junger Mann außerhalb der historischen Stadtmauern und jenseits des Flusses „hausvaterte“, (wie er selbst es nannte), in seinem Wohnhaus am Frauenplan, in den Parkanlagen entlang der Ilm, die der Dichter mit gestaltete, in der Fürstengruft auf dem Historischen Friedhof, wo er neben Herzog Carl August und dem Dichterfreund Schiller beerdigt liegt.

Über die vielen fröhlichen Umtriebigkeiten im nächtlichen Park, über die Brandlöcher, die Shisha-Pfeifen in Turnschuhe zu brennen vermögen, über nächtliches Medley-Singen mit Gitarre und nächtliches Baden in der Ilm sei hier gnädig der Mantel des Schweigens gedeckt – „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?“ Uns doch egal – sicher kein Vater, sicher kein Kind.