Freiwillig ein Wochenende ohne Handy in der Jugendherberge mit fremden Menschen verbringen? Wenn von 54 Schulstartern beim Sozialwissenschaftlichen Gymnasium des Kolping-Bildungszentrums nur sieben am letzten Wochenende fehlten, dann spricht das für sich. Traditionell lädt das SG die neuen Gymnasiasten zum Kennenlernen in die Heilbronner Jugendherberge ein. Julia Wiesberg und Patricia Seidel, die beiden Klassenlehrerinnen, haben sich ein starkes Programm ausgedacht. Unterstützt wurden sie dabei von dem Grafiker Diethelm Wonner, der den künstlerischen Part übernommen hat.

Einziges Gemurre gab es bei der Ankündigung, dass die Handys eingesammelt werden, natürlich mit zeitlichem Vorlauf…

Aber dann ging es auch schon los mit dem Vorstellen, Kennenlernen und Beschnuppern. Wen kenne ich vielleicht schon? Wer ist mir sympathisch und mit wem komme ich wohl in eine Klasse? Spielerisch näherte man sich an, sei es nach Größe und Alter, Entfernung zum Wohnort vom SG oder die eigene Einschätzung, welcher Jahreszeiten-Typ man wohl ist. Nicht nur für Alexandra war es „..eine ganz neue Form des Kennenlernens, sonst sagt man immer nur seinen Namen und das ist eigentlich langweilig!“

Nach der Klasseneinteilung ging es gemeinsam ans Erarbeiten von „Powerwörtern“. Jeder Schüler definiert für sich sein Powerwort, das für die kommenden drei Schuljahre vor dem Klassenzimmer hängen wird und ihn an schlechten Tagen wieder aufrichten soll. Begriffe wie „Anker“, „Durchhaltevermögen“, „Regenbogen“ , „Ausgleich“  oder „Vollgas“ fallen und werden gemeinsam grafisch umgesetzt.

 

„Der Karaoke-Abend war das Beste!“

Der Freitagabend fand im Freien mit vielen Teelichtern und kleinem Lagerfeuer statt. Aus dem anfänglichen Spiel des Liederratens in vier Gruppen entwickelte sich ein Karaoke-Abend, der ganz großartige Gesangstalente offenbarte und für alle das Highlight der beiden Tage war.

Der Samstagvormittag stand ganz im Zeichen der Kunst. Diethelm Wonner führte in die POPart ein, den meisten war zumindest der Name Andy Warhol ein Begriff. Ganz im Sinne Warhols machten sich die Schüler an die malerische Umsetzung ihrer Idee, einen alltäglichen Gegenstand in POPart darzustellen.

 

„Es war einfach  nur toll!“

Für die Schülerinnen und Schüler war es eine ganz neue Erfahrung des Kennenlernens, die anfänglichen Berührungsängste waren schnell verflogen. Für Julia und Chris ist es hier geselliger und wertschätzender als an ihrer vorherigen Schule. „Es ist gut, dass wir uns vor der Schule kennengelernt haben. Ich freu mich auf den neuen Lebensabschnitt“, bekennt Sabrina. Lena, mit 15 Jahren das jüngste Gesangstalent des Vorabends, fühlt sich pudelwohl und ist angetan von der tollen Atmosphäre.

 

Am Ende wurden natürlich auch die Handys wieder zurück gegeben und es gab nicht wenige, die fanden, dass man sich so viel mehr mit dem anderen unterhalten hat, hundertprozentige Aufmerksamkeit bekam und sogar das gemeinsame Kartenspielen wieder entdeckte.

Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler werden dem 1.Schultag auf jeden Fall mit Vorfreude und Spannung entgegen fiebern – schließlich kennt man sich schon und freut sich aufeinander.